17.09.2026

Unser Malerweg mit Baby – vier Tage, vier Etappen und jede Menge Proviant

Vier Tage, zwei Eltern, ein zehn Monate altes Baby, viel zu viel Essen und ein ziemlich großer Rucksack: Wir haben uns auf den Malerweg durch die Sächsische Schweiz gewagt. Oder genauer gesagt: auf vier Tage Malerweg mit unserer Tochter Charlotte in der Kraxe.

Dass Wandern mit Baby ein bisschen anders ist als ein normaler Wanderurlaub, wussten wir vorher. Wie anders, haben wir dann unterwegs gelernt. Es ging um die richtigen Pausenplätze, um Wasser, um Essen, um Höhenmeter, um schmerzende Füße – und natürlich immer wieder um die Frage: Wie weit schaffen wir heute eigentlich wirklich?

Am Ende waren wir zwar nicht bis zur Neumannmühle unterwegs, aber wir haben in vier Tagen unglaublich viel erlebt. Und vor allem haben wir gemerkt: Wir wollen wiederkommen.

  • Reisezeitraum: 09.07.2026 – 13.07.2026
  • Start: Pirna-Liebethal
  • Ziel: Lichtenhainer Wasserfall
  • Dauer: 4 Tage
  • Begleitung: Ben, Anna & Charlotte (10 Monate)
  • Unterwegs mit: Kraxe von Deuter, großem Rucksack und viel zu vielen Snacks
Ben und Anna mit Charlotte in der Kraxe vor der Aussicht in der Sächsischen Schweiz

Tag 1 – Nach der Arbeit direkt in die Schluchten

Unser Abenteuer begann an einem Freitag – und zwar nicht morgens mit einem gemütlichen Frühstück, sondern ziemlich direkt nach Bens Arbeit.

Wir packten unsere Sachen, stiegen in Bahn und Bus und machten uns auf den Weg nach Pirna-Liebethal. Dort beginnt die erste offizielle Etappe des Malerwegs und führt über den Liebethaler Grund, Mühlsdorf und den Uttewalder Grund bis nach Stadt Wehlen. Die offizielle Strecke ist 11,55 Kilometer lang und wird mit etwa dreieinhalb Stunden Gehzeit angegeben.

Für uns fühlte sich das Ganze allerdings ein bisschen anders an.

Wir kamen erst am Nachmittag an und liefen direkt los. Es war unser erster richtiger Wandertag mit Charlotte in der Kraxe – und damit mussten wir uns erst einmal einlaufen. Rucksack neu einstellen, Kraxe ausprobieren, schauen, wie Charlotte damit zurechtkommt und überhaupt herausfinden, wie sich mehrere Stunden Wandern auf teilweise unebenem Untergrund anfühlen.

Landschaftlich ging es zunächst vor allem durch Wald und Schluchten. Große Panoramen gab es auf dieser Etappe eher nicht. Dafür wurde es immer später und damit auch immer dunkler. Der Weg durch die engen Gründe bekam dadurch eine ganz eigene Atmosphäre – teilweise richtig schön, teilweise aber auch ein bisschen gruselig.

Und gleichzeitig waren wir voller Start-Euphorie. Wir hatten nämlich gefühlt einen halben Supermarkt im Rucksack. Studentenfutter, Riegel, geschmierte Brote und jede Menge andere Snacks. Wir waren so motiviert, dass wir schon während der ersten Etappe ordentlich davon gegessen haben. Am Ende hatten wir so viel Proviant angebrochen, dass wir abends eigentlich gar kein richtiges Abendessen mehr brauchten.

Nach ungefähr drei bis vier Stunden kamen wir schließlich in der Stadt Wehlen an und bezogen unser B&B. Charlotte hatte bis dahin tatsächlich durchgehalten und war in der Kraxe erstaunlich zufrieden. Eingeschlafen ist sie allerdings erst in der Unterkunft. Wir dagegen merkten jetzt langsam unsere Füße. Denn auch wenn drei oder vier Stunden auf dem Papier gar nicht nach einer großen Wanderung klingen: Wenn man sonst nicht regelmäßig mehrere Stunden am Stück läuft, dazu auf unebenem Boden unterwegs ist und kaum richtige Pausen macht, fühlt sich das plötzlich ziemlich anders an.

Unser erster Abend war deshalb genau das, was wir gebraucht hatten: In einem Gemeinschaftsraum machten wir uns noch einen Tee, der dort kostenlos angeboten wurde, hörten Musik von einer CD und fuhren einfach langsam wieder herunter.

Der erste Wandertag war geschafft. Und wir waren ziemlich glücklich.


Tag 2 – Bastei, Amselgrund und eine sehr besondere Unterkunft

Am nächsten Morgen gab es erst einmal einen richtig schönen Frühstücksbrunch in unserem B&B. Danach ging es gegen 10 Uhr weiter. Vor uns lag die zweite Etappe: von Stadt Wehlen über die Bastei, Rathen, den Amselgrund, Rathewalde und den Hockstein bis nach Hohnstein. Offiziell sind es knapp elf Kilometer und etwa 4:45 Stunden Gehzeit.

Die Bastei war für uns natürlich ein Highlight – gleichzeitig aber auch der mit Abstand touristischste Abschnitt. Die Aussicht ist spektakulär, aber man merkt eben auch, dass man hier nicht alleine unterwegs ist. Danach ging es weiter Richtung Rathen und durch den Amselgrund. Spätestens hier stellten wir fest, dass eine Pause mit einem zehn Monate alten Baby eine ganz eigene logistische Herausforderung ist.

Einfach auf eine Bank setzen? Schwierig. Charlotte wollte natürlich krabbeln. Und zwar am liebsten überall. Eine schöne Wiese ist mit einem Baby aber nicht automatisch ein guter Spielplatz – gerade in der Sächsischen Schweiz gibt es viele Stellen, an denen es steil bergab geht, Felsen in der Nähe sind oder einfach sehr viele Menschen unterwegs sind. Also suchten wir uns möglichst sichere Stellen im Wald. Jacken auf dem Waldboden ausgebreitet, Charlotte darauf herumkrabbeln lassen und selbst kurz durchatmen. Unsere Pausen sahen dadurch ein bisschen anders aus als die typischen Wanderpausen.

Und dann ging es wieder weiter: hoch, runter, hoch, runter. Manchmal war es fast ein bisschen absurd. Gerade hatte man sich die Höhenmeter nach oben erarbeitet – und dann führte der Weg wieder hinunter ins Tal, nur damit man anschließend erneut bergauf laufen durfte. Besonders schön fanden wir den Abschnitt durch Rathewalde und an der Rathewalder Mühle vorbei. Die Mühle liegt direkt auf der offiziellen Route der zweiten Etappe. Dort entdeckten wir außerdem ein kleines Tier im Gestein – vermutlich einen Marder. Ein kleiner Moment, über den man sich auf so einer langen Wanderung plötzlich besonders freut.

Am Ende kamen wir bei unserer Unterkunft außerhalb von Hohnstein an. Sie lag nicht direkt in der Stadt bei der berühmten Burg, sondern etwas abgelegen bei einer alten Rennstrecke. Die Unterkunft hieß Einkehr zur Rennstrecke und war früher einmal ein Restaurant. Heute wird sie von einer sehr netten Dame geführt, mit der wir uns richtig gut unterhalten konnten. Für Ben war der Ort sowieso ein kleines Paradies: Überall hingen Motorsport-Aushänge und Erinnerungen an die Rennstrecke.

Und weil wir mittlerweile gelernt hatten, dass Wandern hungrig macht, bestellten wir uns Pizza. Natürlich viel zu viel, aber diesmal war das Absicht. Denn die Reste sollten am nächsten Tag einfach als Wanderproviant mitkommen. Man lernt schließlich dazu.


Tag 3 – 36 Grad, zu wenig Wasser und ein bisschen Abenteuer

Anna und Ben steigen eine steile Metalltreppe im Wald hinauf

Vor dem dritten Tag hatten wir uns besonders viele Gedanken über unsere Verpflegung gemacht. Wir hatten vorher immer wieder gehört, dass die späteren Malerweg-Etappen ziemlich abgelegen seien und es kaum Einkaufsmöglichkeiten gebe. Dazu kam: Wir waren sonntags unterwegs. Also hatten wir vorgesorgt. Gefühlt bestand ungefähr ein Drittel unseres Rucksacks aus Essen.

Neben unserem eigenen Proviant hatten wir für Charlotte Quetschies, Reispuffs und jede Menge Snacks dabei. Und weil ich noch viel gestillt habe und dadurch ohnehin oft großen Hunger und Durst hatte, wollten wir auch beim Wasser auf keinen Fall zu knapp planen.

Wir hatten ungefähr vier Liter Wasser dabei. Das klingt nach viel. War es aber nicht, denn der dritte Tag war sehr heiß (36 °C).

Die offizielle dritte Etappe führt von Hohnstein über die Brandaussicht, Waitzdorf, den Kohlichtgraben und Kohlmühle bis nach Altendorf. Sie ist knapp 14 Kilometer lang und wird offiziell mit etwa fünfeinhalb Stunden Gehzeit angegeben. Wir brauchten natürlich deutlich länger. Mit Charlotte machten wir viel mehr Pausen, als die offiziellen Gehzeiten vermuten lassen. Und an diesem Tag konnten wir das Wasser unterwegs nicht einfach wieder auffüllen. Das wurde irgendwann zum echten Problem.

Der Weg führte teilweise durch sehr dichtes Gelände und über einen unebenen Untergrund mit Wurzeln, bei dem man ständig aufpassen musste, wohin man tritt. Rechts und links wuchsen Blaubeeren und Himbeeren – kleine Motivationssnacks am Wegesrand. Für eine richtige Mahlzeit reichte das natürlich nicht, aber ein paar Beeren im Vorbeigehen können erstaunlich viel Motivation liefern.

Irgendwann wurde mir allerdings schwindelig und ich hatte das Gefühl, dass mir die Hitze ziemlich zusetzte. Normalerweise trug ich Charlotte in der Kraxe und Ben den großen Rucksack. An diesem Tag wechselten wir.

Denn ich dachte mir irgendwann: Wenn ich jetzt wirklich umkippe, möchte ich nicht, dass mein Baby auf mir in der Kraxe sitzt. Der Gedanke klingt vielleicht etwas dramatisch – aber mit einem Baby auf dem Rücken denkt man unterwegs eben plötzlich über ganz andere Dinge nach.

Auch landschaftlich war dieser Tag für uns der schwierigste. Gerade die Bereiche rund um Kohlmühle empfanden wir teilweise als ziemlich eigenartig und fast ein bisschen unheimlich. Zwischen Wald, Hitze und dem verlassen wirkenden industriellen Umfeld fühlte sich die Strecke stellenweise eher nach Abenteuer als nach gemütlicher Wanderung an.

Die offizielle Route führt tatsächlich über Kohlmühle und anschließend durch das Sebnitztal bis nach Altendorf. Am Ende waren wir einfach froh, angekommen zu sein. Unsere Unterkunft lag allerdings nicht direkt am Malerweg und auch nicht mitten in Altendorf. Wir mussten nach der eigentlichen Wanderung noch weiter Richtung Rathmannsdorf und teilweise an einer größeren Straße entlang. Und dann kam die nächste Überraschung:

Unser Airbnb hatte kein Frühstück und kein Abendessen in Sichtweite. Das hatten wir leider erst vor Ort festgestellt. Es gab auch keinen Kaffee, keine Snacks und eigentlich überhaupt keine Lebensmittel. Nur einen Wasserkocher und eine Herdplatte. Das Problem? Es war Sonntag. Und wir waren ziemlich fertig. Also lebten wir am Abend und am nächsten Morgen von unseren letzten Snacks und Essensresten. Da kam uns unser SATTBAR wirklich wie ein kleiner Lebensretter vor!


Tag 4 – Kaffee, neue Bekanntschaften und die Schrammsteine

Unsere erste große Priorität am vierten Tag war deshalb ziemlich eindeutig: Essen und Kaffee. Schon innerhalb der ersten zwei Stunden kamen wir an der Ostrauer Mühle vorbei, wo wir einkehren konnten und unseren Vorrat wieder etwas auffüllten. Die Ostrauer Mühle liegt direkt auf der offiziellen vierten Etappe, die von Altendorf durch das Kirnitzschtal weiter Richtung Schrammsteine und Neumannmühle führt.

Und dort lernten wir auch jemanden kennen. Zwei Frauen waren uns schon an einem der vorherigen Tage aufgefallen. Wir hatten sie in Hohnstein gesehen und angenommen, dass sie einfach einen Tagesausflug machten. Stellte sich heraus: Sie waren Schwestern aus Chemnitz und wanderten tatsächlich den Malerweg. Sie machen solche Wanderungen regelmäßig, waren schon in Portugal unterwegs und sogar auf dem Jakobsweg. Wir unterhielten uns kurz, trennten uns wieder – und trafen uns später am Lichtenhainer Wasserfall wieder. Dort setzten wir uns schließlich gemeinsam hin und tauschten uns noch einmal länger aus.

Aber die vielleicht schönste Begegnung des Tages hatten wir direkt nach der Ostrauer Mühle. Furkan aus Bremen schloss sich uns beim Aufstieg an und blieb schließlich fast den ganzen Weg bei uns. Er war bestens ausgerüstet und hatte natürlich die ganze Zeit sein Komoot-Navi laufen.

Das sorgte allerdings nicht immer für Vertrauen. Immer wieder kam sinngemäß die Ansage: „Jetzt rechts abbiegen.“ Und wir standen mitten am Abhang und fragten uns, ob Komoot wirklich meinte, dass wir jetzt die Felswand hinunterlaufen sollten. Er nahm das alles mit Humor.

Und überhaupt war er unglaublich sympathisch. Er hatte selbst einen kleinen Sohn, ungefähr drei Jahre alt, und erzählte uns, dass er viele Wanderwege erst einmal alleine ausprobiert. So kann er testen, ob die Strecke später auch mit seiner Frau und seinem Sohn funktioniert. Eine Art persönlicher Familientauglichkeits-Test.

Sein Sohn war inzwischen allerdings schon in einem Alter, in dem die Kraxe immer uninteressanter wurde. Sobald Kinder laufen können, wollen sie schließlich meistens auch laufen. Das brachte uns zum Nachdenken. Charlotte war gerade zehn Monate alt und saß noch völlig zufrieden in ihrer Kraxe. Vielleicht war das eine der letzten Wanderungen, bei denen wir einfach lange Strecken laufen konnten und sie dabei komplett mitgenommen wurde. Vielleicht würden unsere nächsten Wanderungen schon ganz anders aussehen. Kürzer. Kindgerechter. Mit mehr Möglichkeiten zum eigenen Laufen.

Und irgendwie war es schön, von jemandem zu hören, der nur ein kleines Stück weiter war als wir und das alles schon erlebt hatte.


Unser Highlight: die Schrammsteine

Und dann kamen die Schrammsteine. Für uns ganz klar der schönste Abschnitt des gesamten Malerwegs. Die vierte offizielle Etappe führt von der Ostrauer Mühle hinauf in die Schrammsteine und über den Schrammsteingratweg zur Schrammsteinaussicht. Die Felsgruppe gehört zu den spektakulärsten Landschaften der Route. Und genau so fühlte es sich für uns auch an.

Anna und Ben mit Charlotte in der Kraxe auf den Schrammsteinen

Hinter jeder Ecke wieder eine Landschaft, bei der wir stehen bleiben und Fotos machen wollten. An diesem Tag hatte Ben die Kraxe übernommen. Und es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie er mit Charlotte auf dem Rücken die vielen Stufen hoch- und wieder herunterlief. Charlotte selbst machte das Ganze erstaunlich gut mit.


Unser persönliches Ende am Lichtenhainer Wasserfall

Eigentlich wäre die vierte Etappe noch weitergegangen.

Der offizielle Malerweg führt vom Lichtenhainer Wasserfall weiter zum Kuhstall, über den Neuen Wildenstein und schließlich bis zur Neumannmühle. Insgesamt sind es von Altendorf bis dorthin 18,35 Kilometer.

Wir beschlossen allerdings, dass vier Tage Wandern mit Baby genug waren. Unser Ziel war deshalb nicht die Neumannmühle, sondern der Lichtenhainer Wasserfall. Und das passte perfekt, denn von dort wollten wir mit dem Bus zurück nach Bad Schandau. Am Wasserfall angekommen, hieß es deshalb: Jetzt wird gefeiert. Wir kehrten ordentlich ein, gönnten uns eine Currywurst und eine Cola und schauten uns den Wasserfall und die Kirnitzschtalbahn an.


Vier Tage Malerweg – unser Fazit

Würden wir den Malerweg noch einmal mit Baby wandern?

Auf jeden Fall.

Aber wir würden ein paar Dinge anders machen. Wir würden wahrscheinlich etwas weniger Essen einpacken. Dafür noch genauer darauf achten, wo wir Wasser nachfüllen können. Wir würden bei der Unterkunft noch einmal ganz genau prüfen, ob Frühstück angeboten wird und wie weit sie tatsächlich vom Weg entfernt liegt. Und wir würden mehr Zeit einplanen, denn die offiziellen Gehzeiten sind mit Baby nur bedingt mit unserem Tempo vergleichbar. Wir haben sehr viel häufiger angehalten, als wir es ohne Charlotte getan hätten – und das war auch gut so.

Denn eigentlich war genau das der schönste Teil. Wir haben den Malerweg nicht einfach „abgelaufen“. Wir haben ihn als Familie erlebt. Wir haben gemerkt, wie anders sich ein Wanderweg anfühlt, wenn man plötzlich für ein kleines Kind mitdenken muss. Wir haben Menschen kennengelernt, die jedes Jahr wiederkommen. Wir haben gelernt, dass Komoot nicht immer weiß, was es tut.

Wir freuen uns jedenfalls schon darauf, bald die restlichen Etappen weiterzulaufen – vielleicht läuft dann unsere kleine Maus schon mit.

Proviant für eure nächste Tour: SATTBAR Gartentomate entdecken →